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22.06.2026•16 Min. Lesezeit•Von Tankstellenpreise Redaktion

Spritpreise im Ausland: Lohnt sich der Tanktourismus nach Polen, Tschechien oder Österreich noch?

© f.t.Photographer | shutterstock.com

Wer an der Zapfsäule in Deutschland stehen bleibt, zahlt oft mehr als nötig - doch der Weg nach Polen, Tschechien oder Österreich ist längst kein Selbstläufer mehr. Der Preisvergleich zwischen Super E10 und Diesel, der Blick auf die günstigste Tankstelle in Grenznähe und die Frage nach echten Ersparnissen führen mitten hinein in eine Rechnung aus Literpreis, Strecke, Verbrauch, Zeit und möglichen Mautkosten. Besonders für deutsche Autofahrer mit Wohnort nahe der Grenze, für Pendler und für alle, die aktuelle Benzin- und Dieselpreise präzise vergleichen wollen, wird der Tanktourismus zum nüchternen Prüfstein. Zwischen regionalen Preisaufschlägen, schwankenden Wechselkursen und teuren Autobahntankstellen zeigt sich schnell, wo Tanken im Ausland noch lohnt - und wo die vermeintlich billige Säule am Ende nur ein Umweg mit Gewinnverlust ist.

Warum der Blick über die Grenze für deutsche Autofahrer wieder zählt

Wer an der Zapfsäule nur auf den Aushang vor der Heimat-Tankstelle schaut, lässt Geld liegen - oder spart eben keines mehr. Der Tanktourismus ist kein Relikt aus Zeiten, in denen Preisunterschiede zwischen München und Salzburg oder zwischen Dresden und Zgorzelec spektakulär ausfielen. Er ist wieder ein Rechenexempel geworden, und zwar eines mit zunehmend schmalen Margen. Seit die Kraftstoffpreise in Deutschland über Monate hinweg hartnäckig hoch bleiben, lohnt sich der Blick nach Polen, Tschechien oder Österreich wieder öfter als viele erwartet hätten. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht nur der absolute Literpreis, sondern die Kombination aus Wechselkursen, regionalen Preisniveaus, Fahrstrecke und den eigenen Verbrauchswerten. Wer mit einem sparsamen Diesel auf der Autobahn nahe der Grenze unterwegs ist, bewertet einen Preisvorteil anders als der Fahrer eines älteren Benziners, der für den Umweg selbst schon einen relevanten Teil der Ersparnis verbrennt.

Deutschland liegt beim Tanken seit Jahren in einer merkwürdigen Zwischenlage: weder klar teuer noch wirklich günstig, aber oft teuer genug, um Nachbarländer interessant zu machen. In Polen und Tschechien waren die Preise für Super und Diesel zuletzt häufig niedriger, wenn auch nicht durchgehend und nicht überall in gleichem Maß. Österreich folgt einem anderen Muster. Dort drücken Wettbewerb und regionale Struktur die Preise zwar an manchen Tagen spürbar, doch die Spanne zu Deutschland ist oft kleiner, als der Ruf vermuten lässt. Genau deshalb hat sich der grenzüberschreitende Preisvergleich vom spontanen Bonus für Pendler und Grenzbewohner zu einer nüchternen Frage entwickelt: Wie groß ist der reale Vorteil nach Abzug von Anfahrt, Zeitverlust und möglichen Mautkosten? In vielen Fällen ist die Antwort nicht mehr selbstverständlich. Das macht den Blick über die Grenze gerade jetzt wieder relevant - nicht als romantische Jagd nach dem billigsten Liter, sondern als sachliche Prüfung, ob sich der Weg für deutsche Autofahrer tatsächlich lohnt.

Wie sich Benzin- und Dieselpreise in Deutschland, Polen, Tschechien und Österreich unterscheiden

Beim Spritpreise im Ausland-Vergleich liegt Deutschland meist im Mittelfeld der Region, aber selten an der günstigen Spitze. Super E10 und Diesel kosten hierzulande an vielen Tagen mehr als in Polen und Tschechien, vor allem abseits großer Städte und fern der Autobahnen. Der Abstand ist jedoch schmaler geworden als früher: Ein Preisvorteil von 10 bis 20 Cent je Liter ist kein Dauerzustand, sondern eher ein bewegliches Ziel. Für einen 50-Liter-Tank kann das trotzdem 5 bis 10 Euro ausmachen - genug, um einen Grenztrip zu rechtfertigen, aber selten genug, um ihn blind zu empfehlen. Beim Diesel fällt die Differenz oft kleiner aus als bei Benzin, weil die Preisbewegungen in den Nachbarländern stärker vom regionalen Wettbewerb und den Großhandelspreisen abhängen.

Polen bleibt für viele Autofahrer der attraktivste Markt, wenn die Fahrt ohnehin nahe an der Grenze endet. Dort liegen die Preise für Benzin und Diesel oft unter dem deutschen Niveau, doch in den Grenzregionen ziehen sie an Wochenenden und Ferien spürbar an. Tschechien funktioniert ähnlich, nur mit stärker schwankenden lokalen Aufschlägen: Wer von Sachsen oder Bayern aus gezielt abseits der Transitachsen tankt, findet häufiger ein paar Cent mehr Ersparnis als an den ersten Stationen hinter der Grenze. Österreich ist der Sonderfall. Trotz niedrigerer Steuern in einzelnen Bereichen ist der Preisabstand zu Deutschland oft klein, weil hohe Standortkosten, Maut und die starke Bindung an den Durchreiseverkehr den Markt enger machen. Für deutsche Autofahrer zählt deshalb nicht die Flagge an der Grenze, sondern der reale Preis an der Zapfsäule - und der fällt je nach Land, Region und Wochentag sehr unterschiedlich aus.

Welche Faktoren die Spritpreise im Ausland bestimmen

Die Spritpreise im Ausland folgen keiner einfachen Logik. Entscheidend sind vor allem Steuern, Abgaben und die Höhe des Mineralölmarktes, aber auch die Art, wie ein Land seine Preise reguliert. In Polen und Tschechien wirken sich die staatlichen Rahmenbedingungen anders aus als in Deutschland, wo die CO2-Bepreisung, die Energiesteuer und der Wettbewerb zwischen den Tankstellen zusammen auf den Literpreis drücken oder ihn nach oben schieben. Hinzu kommen Wechselkurse, Logistikkosten, regionale Nachfragespitzen und die Nähe zu Transitkorridoren. An Autobahnen und in Grenzorten ist Tanken oft teurer als im Umland, weil Betreiber dort auf Laufkundschaft setzen und weniger Preisdruck spüren.

Gerade deshalb schwanken die Preise stärker, als es der Blick auf eine Länderkarte vermuten lässt. In Polen können Super und Diesel in ländlichen Regionen deutlich günstiger sein als an der Grenze, während in Tschechien die Nähe zu deutschen Ausweichrouten den Preis schnell anzieht. Österreich wiederum ist vom dichten Autobahnnetz und der Vignettenpflicht geprägt, was die Standortkosten erhöht und den Spielraum für Schnäppchen verkleinert. Wer den Tanktourismus nur über den Landesvergleich bewertet, übersieht diesen Mechanismus. Der reale Vorteil entsteht erst dort, wo Tankstelle, Strecke und Verbrauch zusammenpassen - und genau deshalb rechnet sich der Umweg längst nicht für jeden Fahrer.

Tanktourismus nach Polen: Preisvorteile, Wegezeiten und typische Stolperfallen

Polen ist für viele deutsche Autofahrer der naheliegendste Markt für Tanktourismus, weil der Preisabstand bei Benzin und Diesel oft noch groß genug ist, um die Fahrt zu rechtfertigen, die Strecke aber kurz bleibt. Besonders im Osten Deutschlands, in Brandenburg, Sachsen und Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, liegen Grenzorte wie ?wiecko, Gubin oder Zgorzelec so günstig, dass der Umweg kaum ins Gewicht fällt. Der Reiz entsteht aus einer einfachen Rechnung: Wenn Super E10 oder Diesel jenseits der Grenze um einige Cent, in guten Phasen auch um deutlich mehr pro Liter billiger sind, dann kann ein 50- oder 60-Liter-Tank schnell eine Ersparnis von mehreren Euro bringen. Wer mit einem sparsamen Wagen unterwegs ist und ohnehin einen Einkauf oder Besuch in Grenznähe verbindet, hat die besten Karten. Wer jedoch 30 Kilometer nur für den Tank fährt, vernichtet den Preisvorteil bei einem normalen Pkw rasch wieder durch Verbrauch, Zeit und Stop-and-go an der Grenze. Der Punkt ist nicht, dass Polen grundsätzlich billig ist. Der Punkt ist, dass der billigere Liter nur dann zählt, wenn die Anfahrt nicht zur versteckten Zusatzrechnung wird.

Gerade in Grenzregionen ist der Preisunterschied allerdings kein statisches Geschenk. Er verändert sich mit Wochentagen, Ferien, regionaler Nachfrage und der jeweiligen Preispolitik der großen Ketten. An stark befahrenen Achsen und in Orten, die von deutschem Einkaufstourismus leben, können die Preise spürbar anziehen. Manche Autofahrer erleben das als Ernüchterung: Die erste Tankstelle hinter der Grenze ist nicht selten teurer als eine Station im polnischen Umland, weil die Betreiber genau wissen, dass viele nur wegen des vermeintlichen Schnäppchens kommen. Hinzu kommt das alte Problem des Zeitwerts. Eine halbe Stunde Fahrzeit, Warteschlangen an den Grenzbrücken, ein kurzer Stau vor der Zapfsäule - alles das frisst den Vorteil auf, wenn am Ende nur 6 oder 8 Euro Differenz bleiben. Wer den Weg nach Polen klug plant, tankt nicht an der ersten Ausfahrt, sondern dort, wo der lokale Wettbewerb den Preis wirklich drückt. Wer planlos fährt, landet schnell in der bekannten Falle des Tanktourismus: viel Strecke, wenig Ersparnis, und das Gefühl, sich von einem gut klingenden Literpreis blenden lassen zu haben.

Es gibt noch eine zweite Stolperfalle, die oft unterschätzt wird. In Polen ist nicht jede Station gleich günstig, und nicht jede Preisanzeige ist mit der deutschen Gewohnheit vergleichbar. Einige Tankstellen unterscheiden deutlicher zwischen Bargeld- und Kartenpreis, andere koppeln Rabatte an Bonusprogramme oder bestimmte Tageszeiten. Wer ohne Vergleich an der erstbesten Säule hält, zahlt mitunter mehr, als er erwartet. Auch die Qualität des Preisvergleichs ist entscheidend: Apps und Portale bilden in Grenzlagen nicht immer dieselbe Aktualität ab, und gerade an Tagen mit hoher Nachfrage können Preise binnen Stunden kippen. Für deutsche Autofahrer lohnt sich Polen deshalb vor allem als kalkulierte Route, nicht als spontaner Reflex. Wer die Strecke ohnehin fährt, kann mitnehmen, was die Grenze gerade hergibt. Wer ausschließlich wegen des Sprits losfährt, sollte nüchtern rechnen: Der Preisvorteil beim Tanken in Polen ist real, aber er bleibt ein bewegliches Ziel, das sich nur bei passender Entfernung, sauberem Vergleich und etwas Timing auszahlt.

Tanken in Tschechien: Wo sich der Umweg für deutsche Autofahrer noch rechnet

In Tschechien entscheidet nicht die Grenzlinie, sondern die Adresse der Tankstelle. Direkt an den Übergängen zu Sachsen und Bayern liegen die Preise oft nur knapp unter deutschem Niveau, teils sogar darüber, wenn die Station vom Durchgangsverkehr lebt. Wer den Umweg rechnet, muss deshalb genauer hinschauen: In Städten wie Cheb, Aš oder Teplice kann Super E10 spürbar günstiger sein als auf der deutschen Seite, auf den ersten Kilometern hinter der Grenze schrumpft der Vorteil aber schnell auf wenige Cent je Liter. Beim Diesel ist die Lage ähnlich, nur mit noch stärkerem Gefälle zwischen Transitlage und Umland. Für einen typischen 50-Liter-Tank bleibt am Ende oft ein einstelliger bis niedriger zweistelliger Eurobetrag übrig - genug für einen kurzen Abstecher, aber selten für eine lange Fahrt.

Rentabel wird Tanken in Tschechien vor allem für Autofahrer aus Grenzregionen, die ohnehin unterwegs sind oder den Einkauf gleich mitnehmen. Wer aus Dresden, Hof oder dem bayerischen Raum in Grenznähe fährt, kann den Preisvorteil oft ohne großen Zeitverlust mitnehmen. Wer dagegen 20 oder 30 Kilometer nur wegen des Literpreises zurücklegt, gibt einen Teil der Ersparnis über Verbrauch, Zeit und mögliche Warteschlangen wieder ab. Hinzu kommt ein Markt, der stark auf lokale Nachfrage reagiert: An Ferienwochenenden, auf Zufahrten zu Autobahnen und in Orten mit vielen deutschen Kunden ziehen die Preise rasch an. Die beste Strategie ist deshalb nicht die erste Tankstelle hinter dem Schlagbaum, sondern die Station im tschechischen Hinterland, wo der Wettbewerb noch wirkt. Dort rechnet sich der Umweg gelegentlich noch - aber nur, wenn Sie die Strecke ohnehin fast fahren würden.

Österreich als Sonderfall: Warum die Preisersparnis oft kleiner ausfällt

Österreich wirkt auf den ersten Blick wie ein naheliegendes Ausweichland für deutsche Autofahrer, die an der Zapfsäule sparen wollen. In der Praxis fällt der Vorteil aber meist deutlich kleiner aus als in Polen oder Teilen Tschechiens. Das hat weniger mit einzelnen Ausreißern zu tun als mit der Marktstruktur: Entlang der Autobahnen, in Grenznähe und an stark befahrenen Transitstrecken sind die Preise oft eng aneinandergezogen. Wer bei Salzburg, Kufstein oder an den Achsen Richtung Vorarlberg tankt, findet zwar gelegentlich ein paar Cent Unterschied zu Deutschland, selten aber jene Spannen, die einen gezielten Umweg sofort attraktiv machen. Beim Tanken in Österreich entscheidet deshalb fast immer der Standort, nicht das Land.

Dazu kommt ein spezieller österreichischer Effekt: Die Autobahnvignette, der dichte Transitverkehr und die hohe Frequenz internationaler Reisender halten die Preise an vielen Stationen oben. An Abfahrten von Fernstraßen zahlen Autofahrer häufig für Bequemlichkeit mit, weil Betreiber dort auf Laufkundschaft setzen. Wer die Ersparnis sauber berechnet, merkt schnell, wie klein der Spielraum bleibt. Ein Preisvorteil von 3 bis 8 Cent je Liter kann bei einem halben Tank zwar sichtbar sein, wird aber durch Umwege, Zeitverlust und möglichen Stau an der Grenze rasch aufgezehrt. Österreich lohnt sich deshalb vor allem dann, wenn Sie ohnehin durch das Land fahren und nicht extra wegen des Kraftstoffs anhalten. Für den klassischen Tanktourismus ist es der unergiebigste der drei Nachbarn - gerade weil die Preise oft schon vor der Grenze in Richtung Deutschland gedrückt werden.

Versteckte Kosten der Spritfahrt: Spritverbrauch, Maut, Zeit und Grenzverkehr

Der Preis an der Zapfsäule ist nur die halbe Wahrheit. Wer für den vermeintlich günstigeren Liter nach Polen, Tschechien oder Österreich fährt, bezahlt oft an anderer Stelle - mit zusätzlichem Spritverbrauch, mit Fahrzeit, mit Stau und, je nach Route, mit Maut oder Vignette. Genau daran scheitert der Tanktourismus in der Praxis häufiger als an den eigentlichen Literpreisen. Ein Umweg von 20 Kilometern klingt harmlos, kann aber bei einem normalen Pkw auf Landstraße und Autobahn schon mehrere Euro an Kraftstoff kosten. Wer dann noch eine halbe Stunde im Grenzverkehr verliert, hat von einem Preisvorteil von sechs oder sieben Cent je Liter kaum mehr etwas übrig. Der Effekt ist einfach: Je kleiner die Differenz zwischen deutscher und ausländischer Tankstelle, desto stärker fressen Nebenkosten den Gewinn auf. Bei einem 50-Liter-Tank reichen schon wenige Kilometer mehr, um die Rechnung ins Kippen zu bringen. Was auf dem Papier als Ersparnis erscheint, endet real oft als logistischer Kleinauftrag mit bescheidener Rendite.

Besonders deutlich wird das bei der Zeit. Wer nur zum Tanken losfährt, bewertet die halbe Stunde im Auto meist zu niedrig. Doch genau diese halbe Stunde hat einen Preis, auch wenn er nicht an der Zapfsäule steht. Wer seine eigene Zeit mit nur zehn oder fünfzehn Euro pro Stunde ansetzt, lässt die Ersparnis schnell zusammenschrumpfen. Hinzu kommen Wartezeiten an Grenzübergängen, stockender Verkehr auf Zubringern und das typische Muster an beliebten Tankstellen: Wenn viele deutsche Autofahrer gleichzeitig „noch schnell rüber“ wollen, entstehen Schlangen, die den Vorteil auffressen, bevor der Tank voll ist. In Österreich kommt ein weiterer Faktor dazu: Maut und Vignette machen eine Extrarunde teuer, sobald die Fahrt nicht ohnehin auf der Strecke liegt. In Polen und Tschechien sind die direkten Straßengebühren zwar oft geringer oder gar kein Thema, doch auch dort zählt die Route. Wer wegen einer günstigen Tankstelle eine Autobahnausfahrt zu spät nimmt, zahlt mit zusätzlichem Verbrauch und Zeitverlust. Für den Preisvergleich heißt das: Der Literpreis ist nur dann wirklich günstig, wenn Sie ihn ohne Umwege erreichen.

Hinzu kommt der Grenzverkehr selbst, der je nach Tageszeit und Saison eine eigene Dynamik entwickelt. An Freitagnachmittagen, vor Feiertagen und in den Ferien verdichtet sich der Verkehr an manchen Übergängen so stark, dass aus einem kurzen Abstecher ein unplanbarer Stopp wird. Gerade in Ostdeutschland, wo Tanktourismus nach Polen oder Tschechien für viele Autofahrer naheliegt, entscheidet deshalb nicht allein die Distanz, sondern das Zusammenspiel aus Verkehrsaufkommen, Grenzlage und Ziel der Fahrt. Wer ohnehin pendelt, einkauft oder Familie besucht, kann den günstigen Liter mitnehmen. Wer dagegen ausschließlich wegen der Ersparnis fährt, verlagert nur Kosten: Der Fahrtenkalkulator arbeitet dann gegen Sie. Der nüchterne Befund lautet deshalb oft anders als die Hoffnung an der Zapfsäule: Tanktourismus lohnt sich nur dort, wo der Preisabstand groß genug ist, die Strecke kurz bleibt und der Grenzverkehr nicht zur eigentlichen Kostenfalle wird.

Für wen sich der Tanktourismus wirklich lohnt und für wen nicht

Tanktourismus rechnet sich vor allem für Menschen, die nah an der Grenze leben oder ohnehin dorthin unterwegs sind. Wer aus Sachsen nach Tschechien fährt, aus Brandenburg nach Polen oder auf einer geplanten Reise durch Österreich einen Tankstopp mitnimmt, kann bei einem Preisabstand von 10 bis 20 Cent je Liter noch einen echten Vorteil erzielen. Bei einem 50-Liter-Tank sind das bis zu 10 Euro - genug, um den Umweg zu rechtfertigen, solange er kurz bleibt. Für Pendler, Grenzbewohner und Viel- und Langstreckenfahrer ist der Blick über die Grenze deshalb keine Marotte, sondern ein nüchternes Rechenmodell. Anders sieht es bei reinen Spritfahrten aus: Wer 30 Kilometer extra fährt, um ein paar Cent pro Liter zu sparen, verbrennt den Vorteil oft schon auf dem Hinweg.

Wenig lohnt sich der Aufwand für Fahrer älterer, verbrauchsstarker Autos, für Familien mit Zeitdruck und für alle, die in den Grenzverkehr hineinsteuern müssen. Dann frisst der zusätzliche Verbrauch die Ersparnis auf, noch bevor Maut, Vignette oder Wartezeit dazukommen. Gerade Österreich zeigt, wie schmal die Marge geworden ist: Der Preisabstand ist oft zu klein, um eine Extrarunde zu tragen. Polen und Tschechien bleiben interessanter, aber nur dort, wo Strecke, Preis und Zeitpunkt zusammenpassen. Der Tanktourismus ist damit kein Geschäftsmodell für jedermann, sondern ein Werkzeug für diejenigen, die die Rechnung sauber aufmachen - und sie nicht mit einer billigen Tankstellenanzeige verwechseln.

So finden Sie die günstigste Tankstelle in Ihrer Nähe und im Ausland

Die günstigste Tankstelle finden Sie nicht dort, wo ein großes Preisschild verspricht, sondern dort, wo Preis, Strecke und Tageszeit zusammenpassen. In Deutschland helfen aktuelle Preis-Apps und Vergleichsportale, doch ihre Aussagekraft endet an der Grenze oft schneller, als man denkt: In Polen, Tschechien oder Österreich ändern sich Preise teils binnen Stunden, und an Transitachsen zahlen Sie häufig einen Aufschlag, der auf der Karte unsichtbar bleibt. Wer wirklich sparen will, vergleicht deshalb nicht nur Länder, sondern konkrete Standorte im Umkreis der geplanten Route. Ein Preisvorteil von zehn Cent je Liter klingt attraktiv - er schrumpft sofort, wenn Sie dafür Umwege fahren oder an einer teuren Autobahntankstelle landen.

Für deutsche Autofahrer lohnt sich meist der Blick auf Stationen abseits der ersten Ausfahrt hinter der Grenze. Dort herrscht mehr Konkurrenz, und die Preise liegen oft näher am lokalen Niveau als am Grenzaufschlag. In Polen und Tschechien kann das den Unterschied zwischen echtem Vorteil und bloßer Symbolersparnis ausmachen. In Österreich fällt die Spanne kleiner aus, weshalb sich der Umweg meist nur bei ohnehin geplanter Fahrt rechnet. Wer den günstigsten Liter sucht, sollte also nicht die erstbeste Tankstelle ansteuern, sondern die Daten mehrerer Stationen vergleichen und die eigene Fahrleistung mitrechnen. Erst dann zeigt sich, ob die vermeintlich billige Zapfsäule tatsächlich billig ist.

Was der grenzüberschreitende Preisvergleich über die Zukunft der Mobilität verrät

Der Blick auf die Spritpreise in Deutschland, Polen, Tschechien und Österreich ist mehr als eine Sparfrage. Er zeigt eine Mobilität, die sich neu sortiert: regionaler, datengetriebener und zugleich verletzlicher für politische Eingriffe. Wo der Preisunterschied an der Grenze noch zählt, wird sichtbar, wie stark Autofahren weiter von Steuern, Raffinerielogistik, Wechselkursen und regionalem Wettbewerb abhängt. Das Auto bleibt zwar alltagstauglich, aber es wird ökonomisch zunehmend kleinteilig kalkuliert. Ein paar Cent je Liter entscheiden nicht nur über einen Tankstopp, sondern auch darüber, ob Menschen Fahrten bündeln, Routen ändern oder sich überhaupt noch auf den Weg machen. Der grenzüberschreitende Preisvergleich macht damit einen Trend greifbar, der die Zukunft der Mobilität prägen dürfte: Der Preis am Liter verliert seine Selbstverständlichkeit und wird zum beweglichen Signal in einem Markt, der stärker auf Transparenz und Effizienz reagiert als früher.

Für die kommenden Jahre spricht wenig dafür, dass sich diese Unterschiede ganz auflösen. Solange Kraftstoffe in Europa unterschiedlich besteuert werden und die Stromwende beim Pkw nicht überall im gleichen Tempo ankommt, bleiben Ländergrenzen auch Preisgrenzen. Zugleich wachsen die Nebenwirkungen: Wer für günstigen Diesel über die Grenze fährt, schaut nicht nur auf den Markt, sondern auch auf seinen eigenen Verbrauch, auf Zeit und auf Emissionen. Genau darin liegt die eigentliche Botschaft des Tanktourismus. Er ist ein Übergangsphänomen einer Mobilität, die noch vom Verbrenner geprägt ist, aber schon unter Druck steht. Je dichter Netze für Schnellladen, Carsharing und Bahnverbindungen werden, desto seltener wird sich die Frage nach der billigsten Zapfsäule stellen. Bis dahin bleibt der Preisvergleich ein realistischer Gradmesser dafür, wie teuer Unabhängigkeit auf der Straße geworden ist - und wie lange sie sich noch mit einem Ausflug zur nächsten Tankstelle rechnen lässt.

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