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22.06.2026•15 Min. Lesezeit•Von Tankstellenpreise Redaktion

Der Ölpreis-Mythos: Warum sinkende Rohölpreise so selten an der Zapfsäule ankommen

© AKACHA | shutterstock.com

Wer an der Börse fallende Rohölpreise sieht, rechnet an der nächsten Tankstelle oft mit sofortiger Entlastung. Doch der Preis für Benzin und Diesel in Deutschland folgt einem anderen Mechanismus: Er entsteht aus Rohöl, Raffinerie, Transport, Handel, Steuern, CO2-Preis und regionalem Wettbewerb. Genau deshalb kommen sinkende Notierungen für Brent oder WTI an der Zapfsäule meist nur verzögert oder nur teilweise an. Für Autofahrerinnen und Autofahrer, die die günstigste Tankstelle in ihrer Nähe suchen, lohnt der Blick auf den gesamten Kraftstoffmarkt: auf Großhandelspreise, Tageszeit, Standort und lokale Konkurrenz. Zwischen der Weltbörse und der Anzeige an der Zapfsäule liegt eine Kette aus Kosten und Marktentscheidungen, die erklärt, warum billigeres Rohöl selten 1:1 beim Tanken ankommt.

Rohölpreis und Tankstellenpreis: Warum beides nicht dasselbe ist

Wer an der Börse fallende Ölnotierungen sieht, erwartet an der Tankstelle meist dasselbe Bild. Genau hier beginnt der häufigste Irrtum beim Rohölpreis: Er ist nur ein Baustein im Kraftstoffpreis, und oft nicht einmal der wichtigste. Ein Liter Benzin oder Diesel besteht in Deutschland aus einem Gemisch aus Rohölkosten, Raffinerie- und Transportaufwand, Handelsmargen, Steuern und Abgaben. Hinzu kommt der zeitliche Versatz zwischen Einkauf, Verarbeitung und Verkauf. Der Preis, den Sie an der Zapfsäule zahlen, spiegelt deshalb nicht den aktuellen Börsenkurs des Tages wider, sondern einen Kettenprozess, der Wochen zuvor begonnen haben kann. Wer den Ölmarkt beobachtet, sieht also zunächst nur den Anfang der Bewegung, nicht ihr Ende.

Das erklärt, warum ein fallender Rohölpreis an der Tankstelle nicht sofort sichtbar wird. Mineralölkonzerne und Händler arbeiten mit Lagerbeständen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingekauft wurden. Auch die Raffinerien verarbeiten nicht ausschließlich die gerade billigste Rohölsorte, sondern mischen je nach Qualität, Auslastung und Lieferverträgen. Aus einem Barrel Rohöl wird zudem nicht einfach Benzin oder Diesel "gemacht"; der Ausbeuteanteil schwankt je nach Rohölsorte und technischer Anlage. Gerade im europäischen Markt sind zudem die sogenannten Produktpreise entscheidend, also die Preise für fertige Kraftstoffe an den Großhandelsmärkten. Wenn dort Benzin oder Diesel knapp wird, können die Tankstellenpreise steigen, selbst wenn der Rohölpreis gerade schwächer notiert. Umgekehrt kann ein sinkender Ölpreis an der Börse verpuffen, wenn Steuern, CO2-Preis, Raffineriemargen oder Logistikkosten den Effekt auffressen. Für Autofahrerinnen und Autofahrer heißt das: Der Rohölpreis setzt die Richtung, der Tankstellenpreis erzählt die ganze Geschichte.

Wer den Unterschied wirklich verstehen will, muss außerdem zwischen globalem Ölmarkt und regionalem Kraftstoffmarkt unterscheiden. Rohöl wird weltweit gehandelt, Benzin und Diesel werden aber in einem hoch konzentrierten europäischen Produktmarkt bewertet, in dem Störungen schnell durchschlagen. Wartungen in Raffinerien, Transportprobleme auf der Schiene oder an Pipelines, saisonale Nachfragespitzen vor Feiertagen oder im Sommerurlaub, selbst Wetterlagen können den Preisverlauf verändern. In Deutschland kommen die festen Preisbestandteile hinzu, vor allem Energiesteuer, Mehrwertsteuer und der CO2-Preis auf fossile Kraftstoffe. Sie sorgen dafür, dass selbst kräftige Schwankungen am Ölmarkt nur einen begrenzten Spielraum an der Zapfsäule haben. Wer also den günstigsten Spritpreis finden will, sollte Rohölnotierungen nicht als direkte Preistafel missverstehen. Sie sind eher ein Frühwarnsystem für Tendenzen - aber kein Versprechen, dass die nächste Tankrechnung genauso fällt wie der Kurs an der Börse.

Von der Börse bis zur Zapfsäule: Wie sich der Kraftstoffpreis zusammensetzt

Der Preis an der Tankstelle beginnt lange vor dem Anrollen des Tankwagens. Er entsteht auf einem Markt, der Rohöl, Raffinerieprodukte, Frachtraten und Währungsbewegungen zusammenführt. Der Kraftstoffpreis in Deutschland speist sich dabei nicht einfach aus dem aktuellen Kurs für Brent oder WTI. Entscheidend ist, zu welchem Preis Raffinerien Rohöl eingekauft haben, wie stark ihre Anlagen ausgelastet sind und wie teuer es ist, daraus Benzin oder Diesel in marktgängiger Qualität zu machen. Auf diese Großhandelspreise schlagen Händler ihre Marge, dazu kommen Transport, Lagerung und Verluste entlang der Lieferkette. Der Sprung von der Börse zur Zapfsäule ist deshalb kein direkter Preissturz, sondern eine Kette von Umrechnungen.

Den größten und stabilsten Block bilden in Deutschland Steuern und Abgaben: Energiesteuer, Mehrwertsteuer und seit 2021 der CO2-Preis auf fossile Kraftstoffe. Dieser feste Sockel macht Preisschwankungen an der Tankstelle zwar sichtbar, begrenzt sie aber auch. Selbst wenn der Rohölpreis fällt, bleibt nur der variable Rest, auf den sich Entlastungen überhaupt auswirken können. Hinzu kommt ein Markt, in dem Benzin und Diesel nicht überall gleich teuer sind. Regionale Konkurrenz, die Tageszeit und die Lagerbestände der Anbieter verschieben den Preis zusätzlich. Wer nur auf den Ölpreis an der Börse schaut, sieht daher höchstens die Richtung. Wie stark sich das an der Zapfsäule niederschlägt, entscheidet erst das Zusammenspiel aus Beschaffung, Verarbeitung, Steuern und Wettbewerb.

Steuern, Abgaben und CO2-Preis: Der feste Anteil am Literpreis

Wer auf fallende Rohölnotierungen hofft, stößt an der Zapfsäule schnell auf die harte Realität des deutschen Kraftstoffpreises: Ein großer Teil davon ist fest verankert. Auf Benzin und Diesel entfällt die Energiesteuer, zusätzlich wird auf den gesamten Literpreis Mehrwertsteuer erhoben. Seit 2021 kommt der CO2-Preis auf fossile Kraftstoffe hinzu, der 2024 bereits bei 45 Euro je Tonne lag und den Literpreis weiter anhebt. Für Verbraucher bedeutet das: Selbst wenn der Ölmarkt deutlich nachgibt, bleibt nur ein begrenzter Spielraum für spürbare Entlastungen. Von einem Literpreis von rund 1,80 Euro können je nach Produkt und Region oft mehr als 90 Cent aus Steuern und Abgaben bestehen. Der Rest verteilt sich auf Rohöl, Raffinerie, Handel und Transport.

Genau darin liegt der Grund, warum sinkende Rohölpreise an der Tankstelle oft nur gedämpft ankommen. Der feste Steuerblock wirkt wie ein Puffer nach oben und unten: Er treibt den Preis in Phasen teurer Ölnotierungen nicht ungebremst nach oben, nimmt aber auch einen Teil des Effekts wieder weg, wenn Rohöl billiger wird. Politisch ist das gewollt, weil der Staat über die Besteuerung Einnahmen sichert und über den CO2-Preis den Ausstoß fossiler Kraftstoffe verteuert. Für Autofahrer hat das einen praktischen Nachteil und einen Nebeneffekt zugleich: Wer Benzin oder Diesel vergleicht, sieht zwar Preisbewegungen, aber keine 1:1-Übertragung vom Rohölmarkt. Der Literpreis folgt dem Ölpreis nur innerhalb eines eng gezogenen Korridors, den Steuern und Abgaben fest vorzeichnen.

Raffinerien, Transport und Handel: Wo zwischen Rohöl und Tankstelle Kosten entstehen

Zwischen dem Fass Rohöl und dem Liter Benzin an der Zapfsäule liegt kein glatter Durchmarsch, sondern eine industrielle Wertschöpfungskette mit Reibungsverlusten. Das beginnt in der Raffinerie. Dort wird Rohöl nicht einfach zu Sprit umgefüllt, sondern in aufwendigen Prozessen destilliert, geknackt, entschwefelt und an die jeweilige Nachfrage angepasst. Aus einem Barrel entstehen nicht automatisch die gleichen Mengen an Benzin und Diesel, und schon gar nicht in jeder Rohölsorte. Leichtes, schwefelarmes Rohöl lässt sich anders verarbeiten als schwere, zähere Qualitäten. Für Raffinerien zählt deshalb nicht nur der Ölpreis selbst, sondern auch die Verfügbarkeit geeigneter Sorten, die technische Auslastung der Anlagen und der Preis für die Produkte, die am Ende herauskommen: Benzin, Diesel, Heizöl, Kerosin, Naphtha. Wenn Raffinerien gewartet werden, Störungen auftreten oder Anlagen wegen hoher Energiekosten weniger wirtschaftlich laufen, kann der Preis für fertige Kraftstoffe steigen, obwohl Rohöl an den Börsen gerade billiger wird. Der Markt für Kraftstoffpreise reagiert also nicht nur auf die Quelle, sondern auf den Zustand der gesamten Verarbeitungskette.

Hinzu kommt der Transport, und der ist in Europa alles andere als Nebensache. Rohöl, Zwischenprodukte und fertige Kraftstoffe werden per Pipeline, Schiff, Bahn und Tankwagen bewegt, oft über mehrere Stationen hinweg. Jede Stufe kostet Geld und hängt von Kapazitäten ab, die nicht beliebig wachsen. Wenn Pipelines ausgelastet sind, Tanklager knapp werden oder Hafen- und Schienenlogistik stocken, verteuert sich der Weg zur Tankstelle spürbar. Schon kleine Störungen können im europäischen Produktmarkt große Wirkung entfalten, weil Benzin und Diesel nicht im selben Takt gehandelt werden wie Rohöl an der Weltbörse. Der Preis an der Zapfsäule orientiert sich daher an sogenannten Produktnotierungen, also den Großhandelspreisen für fertige Kraftstoffe. Genau dort entstehen die oft übersehenen Ausschläge: vor Ferienbeginn, bei Wartungswellen in Raffinerien, bei niedrigen Lagerbeständen oder wenn der Export in andere Regionen attraktiver wird. Der Rohölpreis setzt den Rahmen, aber Raffinerien, Transport und Handel bestimmen, wie viel davon am Ende bei Ihnen ankommt. Dazu kommt der Wettbewerb im Großhandel selbst, der in einem Markt mit wenigen großen Spielern nicht immer den Preisdruck erzeugt, den man sich aus Verbrauchersicht wünschen würde. Wer als Autofahrerin oder Autofahrer nur den Kurs von Brent verfolgt, sieht deshalb nur einen Teil des Mechanismus. Erst wenn Verarbeitung, Logistik und Handelsmargen dazugerechnet werden, wird verständlich, warum billigeres Rohöl an der Tankstelle oft nur verzögert, abgeschwächt oder gar nicht sichtbar wird.

Der deutsche Kraftstoffmarkt im Vergleich: Warum der Wettbewerb den Preis nicht immer drückt

Deutschland gilt als Markt mit vielen Tankstellen, aber nicht automatisch mit hartem Wettbewerb. Gerade die drei großen Marken und die dichte Verflechtung mit den Raffinerie- und Großhandelsstrukturen sorgen dafür, dass Preise oft erstaunlich parallel laufen. Wer in München, Hamburg oder im Ruhrgebiet mehrere Stationen vergleicht, sieht deshalb nicht selten fast identische Cent-Beträge, obwohl die Schilder unterschiedliche Logos tragen. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines Marktes, in dem sich Anbieter sehr genau beobachten. Schon kleine Preisbewegungen werden schnell nachgezogen, weil niemand den Absatz verlieren will. Gleichzeitig fehlt an vielen Orten der dauerhafte Druck unabhängiger Anbieter, der den Markt wirklich aufbrechen könnte.

Hinzu kommt die regionale Struktur: In Städten mit hoher Verkehrsdichte und mehreren Stationen auf engem Raum ist der Spielraum größer als auf dem Land, wo oft nur wenige Anbieter in Reichweite liegen. Dort wirkt der Wettbewerb schwächer, obwohl der Preisvergleich auf dem Smartphone theoretisch jederzeit möglich ist. Auch Markenstationen sind nicht immer teurer als freie Tankstellen, weil Preisstrategien je nach Standort, Tageszeit und Kundschaft variieren. Entscheidend ist: Der deutsche Kraftstoffmarkt ist kein freier Börsenraum, sondern ein dicht regulierter, konzentrierter Absatzmarkt mit wenigen großen Einflussgrößen. Deshalb kann mehr Transparenz den Preis sichtbar machen, aber sie zwingt ihn nicht automatisch nach unten. Wer günstig tanken will, profitiert von Wettbewerb vor allem dann, wenn er wirklich lokal und unmittelbar wirkt - nicht nur statistisch auf dem Papier.

Warum Preissenkungen oft verzögert ankommen und Preiserhöhungen schneller greifen

An der Tankstelle gilt eine alte, unschöne Regel: Preiserhöhungen kommen meist schneller an als Entlastungen. Der Grund liegt in der Art, wie Händler einkaufen, kalkulieren und auf den Markt schauen. Sinkt der Rohölpreis, sitzen viele Tankstellen zunächst auf teurerer Ware aus früheren Lieferungen. Die Margen bleiben eng, also wird vorsichtig nachgegeben. Dreht der Markt aber nach oben, reicht schon die Erwartung steigender Beschaffungskosten, um die Preise zügig anzuheben. Für Autofahrer wirkt das wie Kalkül - und oft ist es das auch. In einem Markt mit eng beobachteten Wettbewerbern genügt ein kleiner Impuls, damit die nächste Preiserhöhung fast gleichzeitig an vielen Stationen sichtbar wird.

Verzögerungen bei Preissenkungen sind deshalb nicht nur ein technisches Problem, sondern Ausdruck eines asymmetrischen Marktes. Wenn Benzin- oder Dieselpreise fallen, verlieren Anbieter kurzfristig weniger, wenn sie den Effekt nur teilweise weitergeben. Steigen die Einkaufspreise hingegen, frisst jede Stunde des Zögerns die Marge. Diese Logik wird durch regionale Knappheit, hohe Auslastung und die Orientierung an den Großhandelsnotierungen verstärkt. Deshalb lohnt der Blick auf den Rohölpreis allein kaum. Wer sparen will, sollte nicht auf den großen Befreiungsschlag hoffen, sondern auf die kleinen Zeitfenster, in denen der Markt die Entlastung tatsächlich durchreicht - oft erst mit Verzögerung, manchmal nur für wenige Stunden.

Region, Uhrzeit, Marke: Welche Faktoren den Spritpreis an der Zapfsäule mitbestimmen

Wer in Deutschland günstigen Sprit sucht, vergleicht oft nur den Preis, selten den Ort, die Stunde und das Schild über der Zapfsäule. Genau dort aber beginnt der Unterschied. Der Spritpreis ist kein national einheitlicher Wert, sondern ein bewegliches Ergebnis aus regionalem Wettbewerb, lokaler Nachfrage und der Frage, wie eng die Tankstellen in einem Gebiet beieinander liegen. In Ballungsräumen mit vielen Stationen drückt der Konkurrenzdruck die Preise meist stärker als in ländlichen Regionen, in denen Autofahrerinnen und Autofahrer oft nur zwischen wenigen Anbietern wählen können. Wer etwa in Köln, München oder an den Rändern des Ruhrgebiets tankt, erlebt häufig deutlich mehr Bewegung als auf dem Land in Bayern, Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern. Das liegt nicht nur an der Zahl der Tankstellen, sondern auch an der Kundenfrequenz: Wo täglich viele Fahrzeuge vorbeikommen, wird der Preis aggressiver justiert, weil schon kleine Cent-Unterschiede über Absatz oder Verlust entscheiden können.

Zur Regionalfrage kommt die Uhrzeit. In Deutschland haben sich die Preise an vielen Stationen zu einem hochfrequenten System entwickelt, das tagsüber oft mehrfach kippt. Morgens sind Benzin und Diesel im Schnitt teurer, mittags sinken sie häufig, am Abend liegen die tiefsten Werte. Dieser Verlauf ist kein Naturgesetz, aber ein stabiles Muster, das der Markt seit Jahren ausbildet. Es folgt nicht zuletzt dem Verhalten der Kundschaft: Wer zur Arbeit fährt oder auf dem Heimweg tankt, zahlt oft mehr als jemand, der nach 19 Uhr oder kurz vor Ladenschluss noch einmal vorbeikommt. App-basierte Preistransparenz hat diesen Mechanismus eher verschärft als entschärft. Tankstellen können ihre Preise heute mit Blick auf die Konkurrenz im Umkreis fast in Echtzeit anpassen. In der Folge entstehen Preisspitzen und Preistäler, die sich innerhalb weniger Stunden verschieben. Wer sparen will, tankt daher nicht einfach "irgendwann", sondern beobachtet den Tagesverlauf. Gerade an viel befahrenen Standorten lohnt sich das: Zwischen Vormittag und Abend können schnell mehrere Cent pro Liter liegen, bei einer Tankfüllung summiert sich das zu einem spürbaren Betrag.

Auch die Marke prägt den Preis, aber oft anders, als viele Autofahrer vermuten. Markenstationen großer Konzerne stehen nicht automatisch an der Spitze der Preisskala, freie Tankstellen nicht immer am unteren Ende. Der Unterschied liegt weniger im Logo als in der Standortstrategie. Premiumlagen an Autobahnen, an Hauptverkehrsachsen oder in kaufkräftigen Vierteln werden anders bepreist als Stationen in Randlagen oder an Standorten mit hoher Preissensibilität. Markenbetriebe kalkulieren zudem häufig mit stärkerem Serviceangebot, höherer Kapitalbindung und anderen Zielgruppen, während freie Anbieter vor allem über Preis und hohe Umschlaggeschwindigkeit arbeiten. Trotzdem kann die klassische Zuordnung täuschen: In manchen Städten liegt die Markenstation nebenan plötzlich unter dem Niveau der freien Konkurrenz, weil sie Marktanteile sichern will oder die regionale Nachfrage schwächer ist als erwartet. Umgekehrt nutzen freie Tankstellen in dünn besiedelten Gegenden ihre knappe Konkurrenzsituation durchaus aus. Die günstigste Tankstelle in Ihrer Nähe ist deshalb nicht die, die am billigsten wirkt, sondern die, die im lokalen Markt gerade unter Druck steht. Wer das Zusammenspiel aus Region, Uhrzeit und Marke versteht, liest den Spritpreis genauer als mit jedem pauschalen Tipp. Der eigentliche Hebel liegt nicht im Mythos vom billigen Rohöl, sondern im Blick auf die Bedingungen vor Ort.

Preisvergleich und Sparstrategien: So finden Autofahrer günstige Tankstellen in Deutschland

Wer den günstigsten Spritpreis sucht, sollte nicht beim ersten sichtbaren Betrag anhalten. Die Preisdaten der Markttransparenzstelle zeigen, dass sich Benzin und Diesel in Deutschland teils mehrmals am Tag bewegen. Genau deshalb lohnt der Vergleich kurz vor dem Tanken und nicht erst am Vortag. Preis-Apps und Navigationsdienste liefern dafür einen brauchbaren Blick auf die Stationen im Umkreis, doch entscheidend ist der Zeitpunkt: Morgens liegen die Preise oft höher, am späten Nachmittag und Abend sinken sie häufig. Wer flexibel ist, spart nicht durch Glück, sondern durch Taktik.

Der größte Fehler ist, nur die Marke zu vergleichen. Eine freie Tankstelle kann teurer sein als die Station eines Konzerns an der nächsten Ausfahrt, wenn dort die Nachfrage geringer ist oder der Wettbewerbsdruck stärker wirkt. Auch wenige Kilometer machen einen Unterschied, besonders in Städten und an Hauptverkehrsachsen. Sinnvoll ist der Blick auf mehrere Anbieter in engem Radius, denn der lokale Markt ist oft wichtiger als der nationale Durchschnitt. Bei einer 60-Liter-Tankfüllung bedeuten schon 5 Cent Differenz 3 Euro, bei 10 Cent sind es 6 Euro - genug, um den Umweg nur dann zu rechtfertigen, wenn er wirklich klein bleibt.

Für Autofahrer, die regelmäßig vergleichen, zählt am Ende weniger der große Ölpreis als die Mischung aus Ort, Uhrzeit und Konkurrenz. Wer nicht an Autobahnen tankt, nicht im Berufsverkehr und nicht aus Bequemlichkeit an der erstbesten Säule, verschafft sich einen echten Vorteil. Preisvergleich ist in Deutschland kein Luxus, sondern die nüchternste Form der Sparstrategie.

Was der Ölmarkt wirklich signalisiert: Grenzen, Risiken und Missverständnisse beim Spritpreis

Der Ölmarkt liefert vor allem eines: ein Signal, keine Rechnung. Ein fallender Rohölpreis zeigt, dass sich Beschaffung an den Weltbörsen verbilligt hat. Ob daraus an der Tankstelle ein niedrigerer Literpreis wird, hängt aber an einer langen Kette aus Raffinerien, Produktmärkten, Transport, Steuern und lokaler Konkurrenz. Wer Brent oder WTI wie eine direkte Preisanzeige für Benzin und Diesel liest, verwechselt Ursache und Wirkung. Gerade in Europa ist oft nicht das Rohöl der Engpass, sondern der Markt für fertige Kraftstoffe. Wartungen in Raffinerien, knappe Lagerbestände oder hohe Nachfrage vor Ferienbeginn können die Spritpreise steigen lassen, obwohl der Ölpreis bereits nachgegeben hat.

Das birgt auch Risiken für Autofahrerinnen und Autofahrer: Wer auf eine schnelle Entlastung spekuliert, tankt womöglich zu teuer, weil der Markt Verzögerungen und Zwischenstufen einbaut. Umgekehrt wird ein kurzfristiger Preissprung am Ölmarkt nicht automatisch 1:1 weitergereicht, weil der deutsche Literpreis zu großen Teilen aus Energiesteuer, Mehrwertsteuer und CO2-Preis besteht. Der Ölmarkt zeigt also eher die Richtung als das Ziel. Für den Alltag heißt das: Nicht die Schlagzeile über ein günstigeres Barrel entscheidet, sondern der konkrete Preis an Ihrer Tankstelle - und der folgt oft einem ganz anderen Takt.

Zwischen Ölmarkt und Alltag: Was sinkende Rohölpreise für Autofahrer künftig noch bedeuten

Ein fallender Rohölpreis ist für Autofahrer zunächst nur eine Entlastungsankündigung, keine Garantie. Der Ölmarkt reagiert auf geopolitische Spannungen, Förderentscheidungen der Opec+, Konjunktursorgen und Lagerdaten aus den USA; die Zapfsäule in Deutschland dagegen auf einen langen, trägen Prozess aus Beschaffung, Raffinerie, Großhandel, Steuern und regionalem Wettbewerb. Deshalb kommt es immer wieder vor, dass Rohöl billiger wird, ohne dass sich der Literpreis sofort spürbar bewegt. Für Verbraucher bleibt dennoch ein praktischer Effekt: Sinkende Ölnotierungen setzen den Markt unter Druck und öffnen zumindest ein Fenster für günstigere Spritpreise - nur eben selten im selben Tempo, in dem die Börse reagiert.

Für die kommenden Jahre spricht vieles dafür, dass dieser Abstand eher größer als kleiner wird. Der feste Anteil aus Energiesteuer, Mehrwertsteuer und CO2-Preis hält den Preisboden hoch, während Raffinerien in Europa mit Investitionen, Wartungen und verschärften Klimavorgaben ringen. Zugleich bleibt der Markt für fertige Kraftstoffe eng und anfällig für Störungen, etwa bei Transport, Lagerbeständen oder saisonaler Nachfrage. Wer als Autofahrerin oder Autofahrer auf Entlastung hofft, sollte deshalb weniger auf den großen Absturz des Ölpreises schauen als auf die Frage, ob sich die Großhandelspreise für Benzin und Diesel wirklich nachhaltig entspannen. Dann erst entsteht Spielraum, den Tankstellen im Wettbewerb weitergeben müssen. Der entscheidende Punkt bleibt: Sinkendes Rohöl kann den Alltag verbilligen, aber es erledigt diese Arbeit nie allein.

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